Fünfmal elf in Rüdersdorf

Dancing Queen in Amt und Würden

Eigentlich wollte Sabrina Jakob tanzen, und hat darüber ihre Liebe zum Karneval entdeckt – eine Liebe, die sich ihre Familie mit ihr teilen muss. Denn Sabrina Jakob engagiert sich mit viel Herzblut für die Rüdersdorfer Karnevalsgemeinschaft.

Schon als Kind tanzte sie als „Gardemieze“ (so werden hier die Funkenmariechen genannt) in der Tanzgruppe des ehemaligen KWO in Oberschöneweide. Als sie dann „zu reif für die Garde und zu jung zum Aufhören“ war, fand sie im Karnevalsverein Rüdersdorf eine Tanzgruppe in ihrer Altersklasse und eine neue Heimat: Seitdem trainiert sie dort die Ladydancer und temporär die Juniorengarde als Co-Trainerin.
Um ihre engagierte Arbeit im Verein zu honorieren, wurde Sabrina Jakob für diese Karnevalssaison das hochwürdige Amt der Karnevalsprinzessin angetragen. Für sie ist es eine große Ehre, denn die Rüdersdorfer Karnevalsgemeinschaft wird dieses Jahr 55 Jahre alt: 5 mal die 11. Das ist in der noch komplett unerforschten Zahlenmystik des Karnevals ein ganz besonderes Datum.

Nicht-karnevalsozialisierte Menschen fragen sich zuweilen, was das eigentlich Faszinierende an der Karnevalskultur ist: Der Reiz liege für viele in der Verkleidung, sagt Sabrina Jakob. Man kann in eine Rolle schlüpfen, jemand völlig anderes sein, kann sich anders bewegen. Besonders schön sähe man das bei den Jungs vom Männerballett: „Sobald die sich in ihr Tütü schmeißen, werden sie zum Tier.“
Es ist kein Geheimnis, dass der traditionelle Karneval in Berlin einen schweren Stand hat, obwohl er zumindest im Osten der Stadt und den neuen Bundesländern eine lange Tradition hat: Karnevalsvereine wurden zu DDR-Zeiten von den großen Kombinaten gegründet, um salopp gesagt die arbeitende Bevölkerung bei Laune zu halten. So auch vom ehemals größten baustoffproduzierenden Betrieb der DDR in Rüdersdorf. Seit 1962 lassen die feierfreudigen Jecken keine Saison ausfallen.